Der schottische Menschenfreund

Zum 300. Geburtstag von David Hume

Workshop

Samstag, 8. Oktober 2011
11:00 - 14:00 Uhr
LernAtelier Zimmern

Er sah nicht aus wie ein Philosoph, er zog Spott und Hohn, ja Hass auf sich, er provozierte einen Gedankenkrieg, wenn es z. B. um die Macht der Kirche in Schottland ging. Dabei war „Le Bon David“, wie ihn französische Aufklärer nannten, ausgesprochen liebenswürdig, bescheiden und hilfsbereit.

Und seine Philosophie? Es gab Phasen, da war sein Denken für ihn gefährlich, es stürzte ihn in Depressionen. Dann suchte er bewusst Genuss und Geselligkeit, um wieder Boden unter seine Füße zu bekommen.

Diese Polarisierung zog sich durch sein Leben: Im Denken rigoros und kompromisslos, so dass er z.B. Immanuel Kant aus dessen „dogmatischem Schlummer aufweckte“, im Alltagsleben jedoch pragmatisch, indem er ein „Als ob“ für die Praxis postulierte. Während er erkenntnistheoretisch scharf denkend das Kausalgesetz ad absurdum führte, erkannte er es als notwendiges Prinzip an, um handlungsfähig zu sein, um ein Ziel zu erreichen, einen Nutzen zu verwirklichen. So konnte er z. B. als Politiker und Diplomat Erfolge verzeichnen.

Seine besonnene skeptische Haltung bewahrte ihn einerseits davor, metaphysische „Wahrheiten“ zu verkünden und damit Macht über Menschen auszuüben. Andererseits machte es ihn aus unterschiedlichen Positionen sehr angreifbar, da man ihm Uneindeutigkeit und Widersprüchlichkeit vorwerfen konnte.

Anregend wirkt heute noch seine gedanklich Beweglichkeit: Er untersucht unterschiedliche Themen - von Geschichte, Psychologie über Politik, Ökonomie oder Ästhetik - mit angelsächsischem Underst atement und feiner Ironie. Diesen lebendigen Stil hat sich z. B. Arthur Schopenhauer zum Vorbild genommen.
Zudem widmete er sich historischen Studien und war ein Vordenker auf dem Gebiet der Ökonomie, mit der sich dann sein Freund Adam Smith systematisch befasste.

Und heute? Was kann uns heute noch beeindrucken? Vielleicht regen seine menschenfreundliche Einstellung und seine selbstkritische Haltung zur Nachahmung an? Und die vernünftige Gelassenheit, die er in seiner Krankheit und im Sterben bewies – ein echter Philosoph, der am Leben Geschmack fand und ein mutiger Denker war: Sapere aude!

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