Worte haben Wirkungen.
Worte können uns traurig machen - dann fühlen wir uns klein.
Sie können uns aber auch Mut geben und fröhlich machen.

Wenn wir Haiku schreiben oder Geschichten zu Bildern, spüren wir der Kraft der Worte nach, machen uns bewusst, was wir mit Worten bewirken können.


Haiku schreiben: Anleitung

Das „Haiku“ ist ein japanisches Kurzgedicht, dessen Form sich im Deutschen gut nachbilden lässt und das viele Möglichkeiten bietet, sich auf Wesentliches zu besinnen.
Es besteht aus drei Zeilen mit je 5 – 7 – 5 Silben und ist reimlos.

  • Ich konzentriere mich auf ein Naturphänomen.

Beispiel:
Wilder Wein rankt sich an der Wand meines Hauses hoch.
Ich sitze drinnen und sehe seine roten Blätter vor einem strahlend blauen Himmel
über meinem Fenster hängen.

  • Dann lasse ich meinen Gedanken freien Lauf und notiere einfach, was mir in den Sinn kommt.

Keine Abstrakta, besser Adjektive und vor allem Verben,
die Bewegung und Veränderung ausdrücken.

  • Danach zähle ich die Silben und feile an der Form.

Der Inhalt wird sich kreativ verändern und immer mehr zu einem Ausdruck dessen,
was mir wesentlich ist.

  • Eigentlich spüre ich erst allmählich beim Gestalten, was mir im Augenblick wesentlich ist.

Haiku schreiben ist eine Möglichkeit, ein inneres Tagebuch zu schreiben.

Hintergrund

Form & Geschichte des Haiku

Beschreibung

Es ist die kleinste Gestaltungsform des lyrischen Verses überhaupt.
Haiku ist die höchste Vollendung japanischer Lyrik, die kürzeste, strengste und konzentrierteste Gedichtform.
Das japanische Haiku in seiner traditionellen Ausprägung beschränkt sich auf die Beobachtung eines Naturereignisses und stellt so einen direkten Bezug zu den Jahreszeiten her, zumeist gekennzeichnet durch ein kigo (das Jahreszeitenwort) oder kidai (das Jahreszeiten-Thema).

Form

In einfachen Worten, die zusammen 17 japanische Lautsilben, aufgeteilt im 5-7-5-Rhythmus ergeben, wird ein Augenblick eingefangen, oft ein beobachtetes Ereignis in der Natur, wobei die Einbeziehung der Jahreszeit für die Grundstimmung sorgt.

Geschichte

Die Form des Haiku hat in Japan eine lange Tradition.
  • Schon in der ersten großen japanischen Gedichtsammlung aus dem 8. Jahrhundert, genannt Manyoshu (Sammlung der zehntausend Blätter) sind die Gedichte in Fünfer- und Siebener-Lautrhythmen gegliedert.
  • Auch die Vorliebe für die Schilderung von Ereignissen in der Natur im Wechsel der Jahreszeiten ist bereits sehr früh ausgeprägt.
  •  Im Jahr 905 wird die zweite große Gedichtsammlung, Kokinshu, zusammengestellt.
    Die ersten sechs von zwanzig Bänden bestehen aus Jahreszeitengedichten.
  • Der nächste Schritt in Richtung Haiku ist das Kettengedicht Renga,
    das ursprünglich vor allem zur Unterhaltung bei Gesellschaften diente.
  • Die Haiku-Zeitrechnung beginnt dann mit dem Mönch und Lyriker Matsuo Basho,
    der von 1644 bis 1694 lebte.
    Sein berühmtestes Gedicht in der deutschen Übersetzung:

Alter Teich in Ruh -
Fröschlein hüpft vom Ufersaum.
Und das Wasser tönt.

  • Berühmte Haiku-Dichter nach Batso waren Buson (1716-1783),
    Issa (1763-1827) und Shiki (1867-1902), der Ende des 19. Jahrhunderts den Namen Haiku einführte.
  • Zeitgenössische Haiku-Autoren beschreiben hingegen oft auch das menschliche Miteinander in der Gesamtheit unseres Seins und unserer natürlichen Umgebung. Den Bezug zu den Jahreszeiten stellen sie eher indirekt her, oftmals unter Verwendung von Schlüsselwörtern und Schlüsselthemen.
  • „Im Ungesagten das Unsagbare sagen“ (Toyotama Tsuno / Manfred Hausmann), einzig mit dem Stilmittel der sparsamen Beschreibung: schlicht und klar, keine Erklärungen, keine Interpretationen und moralisches Belehren. Dadurch entsteht ein Freiraum für den Leser und die Möglichkeit, das zu entdecken, was im Haiku eben nicht ausgesprochen wurde. Haiku-Verse sind sozusagen Erinnerungsmomente.

Quellen

www.ziemlichkraus.de/haiku/wurzeln.htm
Hamburger Haiku-Verlag (Haiku-Werkstatt mit Wettbewerben und Diskussionen)

Gelassenheit durch Konzentration!

Haben Sie Lust, zu diesem Bild ein Haiku  zu schreiben?

 

Für Einsteiger

Lassen Sie das Bild erst einmal auf sich wirken: Was fällt Ihnen besonders auf? Spüren Sie Ihren Gefühlen nach. Achten Sie darauf, was diese Formen und Farben bei Ihnen auslösen - an Erinnerungen, Wünschen, inneren Bildern ...

Dann suchen Sie Wörter zu diesen Eindrücken: Substantive, Adjektive, v.a. Verben. Einzelne dieser Wörter verbinden Sie dann zu Gedanken- und Gefühlsbildern. Vermeiden Sie eine Bildbeschreibung oder Erklärung! Sie können versuchen, die 3-Zeilen-Form zu füllen: 5/7/5 Silben

 

Für Fortgeschrittene

Erster Aspekt: Erde, Natur
Zweiter Aspekt: Mensch
Dritter Aspekt: Transzendenz, Spiritualität

In Anlehnung an Ikebana!


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Haiku schreiben

Gelassenheit durch Konzentration

Durch Sprache zu sich selbst kommen
Schönheit spüren
Philosophieren
Miteinander reden

Das japanische Haiku ist die kürzeste Gedicht-Form der Weltliteratur. Haiku ist die höchste Vollendung japanischer Lyrik, die kürzeste, strengste und konzentrierteste Gedichtform. Es tritt in seiner äußeren Form in der Regel dreizeilig auf und kann aus bis zu siebzehn Silben bestehen.
Es hält wie in einer Momentaufnahme Wahrnehmungen, Gefühle, Gedanken fest und gestaltet sie in Sprache.

Ein intensiv erlebter Augenblick wird eingefangen, wobei oft die Jahreszeit eine Grundstimmung erzeugt.

Diese spannende Form lässt sich im Deutschen gut nachbilden.

Haiku zu schreiben schärft die Wahrnehmung, schult das Sprachgefühl, fördert Kommunikation und ist zugleich Meditation und ein Prozess der Bewusstwerdung.

Diese beiden Haiku von Basho zeigen - auch in der Übersetzung aus dem Japanischen - Humor und Weisheit:

►Humor

Alter Teich in Ruh -
Fröschlein hüpft vom Ufersaum.
Und das Wasser tönt.

Basho

 

Weisheit

Als meine Augen alles
gesehen hatten, kehrten sie zurück
zur weißen Chrysantheme

Basho


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