Hintergrund

Form & Geschichte des Haiku

Beschreibung

Es ist die kleinste Gestaltungsform des lyrischen Verses überhaupt.
Haiku ist die höchste Vollendung japanischer Lyrik, die kürzeste, strengste und konzentrierteste Gedichtform.
Das japanische Haiku in seiner traditionellen Ausprägung beschränkt sich auf die Beobachtung eines Naturereignisses und stellt so einen direkten Bezug zu den Jahreszeiten her, zumeist gekennzeichnet durch ein kigo (das Jahreszeitenwort) oder kidai (das Jahreszeiten-Thema).

Form

In einfachen Worten, die zusammen 17 japanische Lautsilben, aufgeteilt im 5-7-5-Rhythmus ergeben, wird ein Augenblick eingefangen, oft ein beobachtetes Ereignis in der Natur, wobei die Einbeziehung der Jahreszeit für die Grundstimmung sorgt.

Geschichte

Die Form des Haiku hat in Japan eine lange Tradition.
  • Schon in der ersten großen japanischen Gedichtsammlung aus dem 8. Jahrhundert, genannt Manyoshu (Sammlung der zehntausend Blätter) sind die Gedichte in Fünfer- und Siebener-Lautrhythmen gegliedert.
  • Auch die Vorliebe für die Schilderung von Ereignissen in der Natur im Wechsel der Jahreszeiten ist bereits sehr früh ausgeprägt.
  •  Im Jahr 905 wird die zweite große Gedichtsammlung, Kokinshu, zusammengestellt.
    Die ersten sechs von zwanzig Bänden bestehen aus Jahreszeitengedichten.
  • Der nächste Schritt in Richtung Haiku ist das Kettengedicht Renga,
    das ursprünglich vor allem zur Unterhaltung bei Gesellschaften diente.
  • Die Haiku-Zeitrechnung beginnt dann mit dem Mönch und Lyriker Matsuo Basho,
    der von 1644 bis 1694 lebte.
    Sein berühmtestes Gedicht in der deutschen Übersetzung:

Alter Teich in Ruh -
Fröschlein hüpft vom Ufersaum.
Und das Wasser tönt.

  • Berühmte Haiku-Dichter nach Batso waren Buson (1716-1783),
    Issa (1763-1827) und Shiki (1867-1902), der Ende des 19. Jahrhunderts den Namen Haiku einführte.
  • Zeitgenössische Haiku-Autoren beschreiben hingegen oft auch das menschliche Miteinander in der Gesamtheit unseres Seins und unserer natürlichen Umgebung. Den Bezug zu den Jahreszeiten stellen sie eher indirekt her, oftmals unter Verwendung von Schlüsselwörtern und Schlüsselthemen.
  • „Im Ungesagten das Unsagbare sagen“ (Toyotama Tsuno / Manfred Hausmann), einzig mit dem Stilmittel der sparsamen Beschreibung: schlicht und klar, keine Erklärungen, keine Interpretationen und moralisches Belehren. Dadurch entsteht ein Freiraum für den Leser und die Möglichkeit, das zu entdecken, was im Haiku eben nicht ausgesprochen wurde. Haiku-Verse sind sozusagen Erinnerungsmomente.

Quellen

www.ziemlichkraus.de/haiku/wurzeln.htm
Hamburger Haiku-Verlag (Haiku-Werkstatt mit Wettbewerben und Diskussionen)

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